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Stand: 12.10.2017

Pressemitteilung

Inklusion

Caritas bedauert Rückschritte bei der schulischen Inklusion

Martin StockmannMartin Stockmann, Stabsstelle Grundsatzfragen der Sozial- &Europapolitik Nicole Cronauge | Caritas

Einen Rückschritt bei der Neuausrichtung der schulischen Inklusion in Nordrhein-Westfalen befürchtet der Caritasverband für das Bistum Essen. "Durch das Festhalten am parallelen Fortbestand der Förderschulen neben den allgemeinen Schulen wird sich der bestehende Lehrermangel noch verschärfen", kritisiert Martin Stockmann, Leiter des Inklusions-Projekts "Schule für alle". Die von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) angekündigte Förderung der Schulen des gemeinsamen Lernens sei der richtige Weg, wenngleich die Kriterien von den bereits inklusiv arbeitenden Schulen zum Teil nicht erfüllt werden könnten. Um die Gräben zwischen Pädagogen und Sonderpädagogen zu überwinden, regt Stockmann eine Qualifizierung aller Lehrergruppen in Fragen des inklusiven Unterrichts an. 

Am vergangenen Freitag hatte die Schulministerin den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern in NRW ein Stück zurückgedreht. Während auf der einen Seite Förderschulen ausschließlich für Kinder mit Behinderungen landesweit und flächendeckend erhalten bleiben sollen, werden auf der anderen Seite Schulstandorte für das gemeinsame Lernen in der Sekundarstufe reduziert. Gemeinsames Lernen soll zukünftig nur an den Schulen möglich sein, die durch die Schulaufsicht mit Zustimmung des Schulträgers zu "Schulen gemeinsamen Lernens" bestimmt werden. Dafür müssen diese allgemeinen Schulen geeignete Konzepte, Räume und eigens fortgebildetes Lehrpersonal vorweisen können. 

Der Entscheidung Gebauers vorausgegangen war massive Kritik an der Umsetzung der Inklusion. Hauptmängelpunkte dabei waren die unzureichende Personalausstattung und fehlende Qualitätsstandards. 

Caritas-Experte Stockmann sieht in der neuerlichen Einschränkung des inklusiven Lernens allerdings einen Verstoß gegen die UN-Menschenrechts-Konvention: "Demnach ist inklusive Bildung ein fundamentales, bedingungsloses Recht aller Lernenden und kein Sonderrecht für Menschen mit Behinderungen." Langfristig müsse man, so Stockmann, die Rahmenbedingungen der Regelschule entsprechend anpassen und der zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft an allen Schulen durch gezielte Organisationsentwicklung inklusive der Bereitstellung der erforderlichen Personal- und Sachressourcen begegnen.