URL: www.caritas-gelsenkirchen.de/pressemitteilungen/frauen-und-arbeit-im-ruhrgebiet/1142204/
Stand: 12.10.2017

Pressemitteilung

Arbeitslosenreport NRW

Frauen und Arbeit im Ruhrgebiet

Dies bildet sich auch in den Städten und Kreisen des Ruhrgebiets und des Märkischen Sauerlandes ab.

Im Ruhrgebiet waren im September 2017 genau 60.199 Frauen arbeitslos gemeldet. 45,88 Prozent von ihnen waren langzeitarbeitslos. Als Gründe führt der Arbeitslosenreport NRW vor allem fehlende berufliche Qualifikationen an sowie die Herausforderung, als Alleinerziehende die Betreuung von Kindern sicherzustellen. 16,5 Prozent, das sind 9.217 aller arbeitslosen Frauen im Ruhrgebiet, sind alleinerziehend und müssen bei der Arbeitssuche die Betreuung von einem oder mehreren Kindern allein organisieren. Klappt das nicht, droht den Frauen und ihren Kindern das Risiko, in Armut zu geraten - jetzt und auch später bei der Rente.

"Deshalb müssen wir im Ruhrgebiet die Betreuungsplätze für Kinder weiter ausbauen. Und das so, dass Mütter und Väter gleichermaßen die Möglichkeit haben, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren", sagt Sabine Depew, Diözesan-Caritasdirektorin im Bistum Essen. "Über die Kinderbetreuung hinaus ist es uns als katholischem Sozialverband wichtig, in allen Lebensbereichen familienfreundliche Lösungen zu finden, damit Männer und Frauen ihre eigenen Talente und ihre Wünsche an die Alltagsgestaltung ihrer Familie verwirklichen können", so Depew, "denn geht es den Eltern gut, profitieren auch die Kinder." 

Flexibilität in den Kinderbetreuungszeiten außerhalb der bislang üblichen Öffnungszeiten benötigen vor allem alleinerziehende Frauen, und zwar nicht nur, wenn sie berufstätig sind, sondern auch, wenn fehlende Qualifikationen nachzuholen sind. Von den über 60.000 arbeitslosen Frauen im Ruhrgebiet hatten im September 2017 rund 61 Prozent keine abgeschlossene Berufsausbildung. "Das Recht auf Arbeit gilt natürlich auch für diese Frauen", so Sabine Depew, "denn Arbeit bringt nicht nur Einkommen, sondern auch Selbständigkeit, Selbstbewusstsein und gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb brauchen wir mehr Möglichkeiten der Teilzeitausbildung oder modularisierte Ausbildungen. Die so qualifizierten Frauen würden außerdem anschließend dem Arbeitsmarkt als Fachkräfte zur Verfügung stehen." 

Die Daten für die Stadt Gladbeck und den Märkischen Kreis, die ebenfalls zum Bistum Essen und zum Wirkungsbereich des Diözesan-Caritasverbandes für das Ruhrbistum gehören, werden in der Statistik des Arbeitslosenreportes über den Kreis Recklinghausen bzw. separat erhoben. Für Gladbeck und das märkische Sauerland gilt gleichermaßen wie für die anderen Städte des Ruhrgebiets, dass der Frauenanteil an arbeitsmarktpolitischen Fördermaßnahmen von Jobcentern und Arbeitsagenturen erhöht werden muss. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Mindestbeteiligung von Frauen an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik, die mindestens ihrem Anteil an den Arbeitslosen und ihrer relativen Betroffenheit von Arbeitslosigkeit entspricht. Bei einem Frauenanteil von 44,6 Prozent an allen Arbeitslosen im Ruhrgebiet liegt der Frauenanteil in den Maßnahmen der Agentur für Arbeit bzw. der Jobcenter allerdings nur bei 37 Prozent.

Gute berufliche Qualifikation soll Frauen vor prekären Arbeitsverhältnissen schützen. Gegenwärtig sind laut Arbeitslosenreport NRW mehr als 156.000 Frauen in NRW trotz Arbeit auf aufstockende Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Damit tragen Frauen im Vergleich zu Männern ein doppeltes Risiko: Zum einen zahlen sie weniger oder gar nicht in die sozialen Sicherungssysteme ein und sind deshalb von Altersarmut bedroht. Zum anderen führt die Beschäftigung in Minijobs oft in berufliche Sackgassen und verbaut ihnen langfristig den Weg in existenz- und alterssichernde Arbeit. Im Ruhrgebiet lag der Frauenanteil an allen Aufstockern mit 28.495 bei 52 Prozent. 

Die Freie Wohlfahrtspflege im Ruhrgebiet fordert deshalb, die Armutsspirale zu durchbrechen, wozu eine gleichstellungsorientierte Familien- und Arbeitsmarktpolitik wesentlich beitragen kann. Dazu Sabine Depew: "Wer heute in berufliche Qualifizierung bei arbeitslosen Frauen investiert, flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten vor Ort schafft, ausreichende an den Lebensrealitäten von Alleinerziehenden angepasste Teilzeitausbildungen ermöglicht, sorgt für weitere Fachkräfte in der Region, bekämpft zugleich die Altersarmut von morgen und verschafft den betroffenen Frauen auf vielerlei Ebenen mehr Lebensqualität." 

Hintergrund:
Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den "Arbeitslosenreport NRW". Darin enthalten sind aktuelle Zahlen und Analysen für Nordrhein-Westfalen; Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Jede Ausgabe widmet sich einem Schwerpunktthema. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz. Ziel der regelmäßigen Veröffentlichung ist es, den öffentlichen Fokus auf das Thema Arbeitslosigkeit als wesentliche Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung zu lenken, die offizielle Arbeitsmarktberichterstattung kritisch zu hinterfragen und dabei insbesondere die Situation in Nordrhein-Westfalen zu beleuchten.

Alle Ausgaben des Arbeitslosenreports sowie weiterführende Informationen unter: 
http://freiewohlfahrtspflege-nrw.de/initiativen/arbeitslosenreport-nrw/