Demenzkranke Menschen erleben
Gemeinschaft
Tagesbetreuung im Nachbarschaftszentrum
Löchterheide
Es duftet nach Kaffee und Kuchen,
und während Elke
Lucks
frischen Kaffee nachgießt
erzählt Gertrud
Büssing
von einem
Buer
,
das es so längst nicht mehr gibt. „Die Felder und Wiesen reichten bis zum
Westerholter Wald“ sagt sie, und auch an einen Fußballplatz „der DJK“ erinnert
sie sich. Ein ganz normales Kaffeekränzchen könnte man meinen. Das ist es auch
und doch wieder nicht. Denn Gertrud
Büssing
hat bei
der Tagesbetreuung für demenzkranke Menschen im Nachbarschaftszentrum
Löchterheide
vorbeigeschaut. Während die 79-jährige
gelernte Krankenschwester von der Krankheit verschont blieb, ist
Fatma
Kabuk
bereits mit 56 Jahren
an Demenz erkrankt. Unruhig rutscht die aus der Türkei stammende Frau und
Mutter von fünf Kindern auf ihrem Stuhl hin und her. Die anderen sind zwar noch
mit ihrem Kirschkuchen beschäftigt, doch sie möchte schon abräumen. „Frau
Kabuk
ist unser guter Geist, möchte immer etwas tun, ist
sehr herzlich und hilfsbereit“, sagt Christiane
Inhester-Widlak
.
Zusammen mit Elke
Lucks
arbeitet sie seit Anfang Februar in der Tagesbetreuung
für demenzkranke Menschen. Die beiden Mitarbeiterinnen des Familien
unterstützenden Dienstes
auxilia
der Caritas sind für
den Umgang mit demenzkranken Mensche geschult. Zudem haben sie mehrere Jahre
Erfahrung in der ambulanten Betreuung Demenzkranker in Familien. „Doch hier in
der Tagesbetreuung ist es anders. Hier kommt es zum Dialog zwischen unseren
Gästen und werden Kontakte geknüpft. Demenzkranke Menschen erfahren
Gemeinschaft in einem Rahmen, der auf ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten
zugeschnitten ist“, erläutert Elke
Lucks
. Um das
Eingehen auf individuelle Bedürfnisse und eine familiäre Atmosphäre zu
ermöglichen, ist die Gruppengröße auf maximal sechs bis sieben zu betreuende
Menschen begrenzt.
Von Montag bis Freitag in
der Zeit von 8.00 bis 17.00 Uhr ist die Tagesbetreuung geöffnet. Eine Betreuung
ist ganz- oder halbtags sowie stundenweise möglich. Falls nötig kann auch ein
Fahrdienst genutzt werden. Sind die gesetzlichen Vorgaben zur Anerkennung
zusätzlicher Betreuungsleistungen erfüllt, wird ein Teil der Kosten von der
Pflegekasse übernommen.
„Obwohl wir individuell auf
die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Menschen eingehen, die zu uns kommen, haben
wir eine feste Tagesstruktur“, sagt Christiane
Inhester-Widlak
.
Regelmäßigkeiten und das Anknüpfen an gewohnte Tagesabläufe wecke Erinnerungen
und vermittle den erkrankten Menschen Sicherheit, weiß sie. Jeden Morgen gibt
es ein gemeinsames Frühstück und wird ein Lied zur Begrüßung des Tages
gesungen. Nach dem Frühstück gibt es eine aktuelle Stunde, bei der aus der von
der WAZ gespendeten Zeitung vorgelesen und über die Neuigkeiten gesprochen
wird. In die alltäglichen Erfordernisse wie Tisch abräumen, spülen, einkaufen
und das Zubereiten der Mahlzeiten werden die Gäste der Tagesbetreuung
einbezogen. „Es dient ebenso dazu die kognitiven und motorischen Fähigkeiten
der Menschen zu erhalten oder auszubauen wie gezielte Übungen beim
Gedächtnistraining oder bei kleinen Ballspielen“, sagt Elke
Lucks
Auf alle Einrichtungen und
Fachkräfte des Nachbarschaftszentrums wie zum Beispiel Gymnastiklehrer oder die
schönen Sonnenterrassen kann die Tagesbetreuung zurückgreifen. Natürlich auch
auf den Garten rund um das
Bruder-Jordan-Haus
. In den
locken nun die Sonnenstrahlen, die die Wolken inzwischen vertrieben haben. Ein
kleiner Rundgang, ein wenig Verweilen auf der Parkbank mit Blick auf den Teich
und etwas Sonne tanken. Das macht müde.
Fatma
Kabuk
möchte sich gern hinlegen, um etwas zu schlafen. Dank
eines Ruheraums ist das möglich.
In etwa einer Stunde wird
sie von einer ihrer Töchter abgeholt. Während sie ihre Mutter in guten Händen
wusste, konnte sie wichtige Dinge erledigen oder sich selbst einfach mal eine
Auszeit können. „Unser Betreuungsangebot ermöglicht es dem kranken Menschen, in
seiner gewohnten Umgebung bleiben zu können, aber auch Gemeinschaft zu erleben.
Für ihre Angehörigen ist es eine große Hilfe, um Beruf, Familie, Freizeit und
Betreuung besser vereinbaren und planen zu können“, sagt Christiane
Inhester-Widlack
.
In Gelsenkirchen leben
derzeit etwa 4.000 an Demenz erkrankte Menschen, wobei die Dunkelziffer weit
höher sein wird.
Fragen zur Tagesbetreuung werden gerne unter der
Rufnummer 38 66 50 beantwortet.
Das Foto zeigt: (
v.l.n.r
.) Christiane
Inhester-Widlak
,
Gertrud
Büssing
,
Fatma
Kabuk
und Elke
Lucks