Träger der Migrationsberatung in Gelsenkirchen sind die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und die Caritas.
"In unserem NeuStadtTreff haben wir eine halbe Stelle für die Migrationsberatung. Bis zum Ende des Jahres ist diese Stelle befristet auf eine volle Stelle erhöht worden", erklärt Caritas-Teamleiterin Judith Przygodda. Angesichts der hohen Flüchtlingszahlen kommt die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) trotz dieser Erhöhung an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Dabei sind die Aufgaben der MBE Grundlage für eine gelingende Integration: Sie unterstützt erwachsene Zuwanderer, ihre Alltagsprobleme zu bewältigen, vermittelt Hilfen und begleitet Neuzuwanderer in Integrationskurse.
150 Fälle pro Jahr darf Migrationsberater Hasan Kani Yilmaz bearbeiten. Doch sehr viele Menschen mehr bräuchten seine intensive Hilfe. "Ein unhaltbarer Zustand! Gerade Flüchtlinge haben höchst komplexe Beratungsbedarfe wie Bewältigung von erlittenen Traumata, Familiennachzug und berufliche Integration. Das können wir nicht einfach mal so abhandeln", mahnt Fachbereichsleiterin Bittner. Der Rückgang der Flüchtlingszahlen Anfang des Jahres bedeute dabei keine mittelbare Entlastung, da Asylsuchende wegen der langen Registrierungs- und Anerkennungsverfahren verzögert in der Migrationsberatung ankommen.
"Mit den stetig steigenden Lohn- und Lohnnebenkosten sowie steigenden Miet- und Energiekosten wachsen die Beträge, die wir vor Ort aus Eigenmitteln finanzieren müssen", konkretisiert Caritas-Mitarbeiterin Przygodda. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege mahnt in einem Argumentationspapier: "Es besteht die Gefahr, dass Beratende unter der andauernden Überlastungssituation gesundheitliche Schädigungen davontragen, Beratungsstellen geschlossen werden müssen und das nahezu flächendeckende Angebot der Beratungsstellen nicht erhalten werden kann."
Hintergrund:
Die Bundesmittel für die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) wurden für 2016 um 10,5 Millionen auf 44,7 Millionen Euro erhöht. Aufgrund der hohen Nachfrage bleibt die Situation vor Ort jedoch angespannt. Daher schließt sich die Caritas Gelsenkirchen den Forderungen der Freien Wohlfahrtspflege an, die finanziellen Mittel für die MBE um 17 Millionen Euro für 2017 zu erhöhen.