Gedenktafel erinnert an Dr. Bertram und die Rettung jüdischer Zwangsarbeiterinnen

Ein Steinblock mit schwarzer Schrift

Bei der feierlichen Einweihung der Tafel wurde eine Grußbotschaft von Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, verlesen. Neuwald-Tasbachs Mutter gehörte zu den geretteten Frauen und Mädchen. Ihr Vater - der Gelsenkirchener Kurt Neuwald - überlebte seine Deportation nach Riga und lernte nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt seine spätere Frau kennen. Sie war als einzige der 17 geretteten Ungarinnen in Gelsenkirchen geblieben. 

Ortrud Kathol-Bertram, Tochter des Ehepaares Bertram, erinnerte in bewegenden und persönlichen Worten an ihre Eltern. Sie beleuchtete dabei auch, warum es heute solcher stillen Helden bedürfe, die eine klare menschliche / christliche Haltung einnähmen. 

Dr. Rudolf Bertram war seit den späten 1930er Jahren im Josefhospital in Horst und im St. Marien-Krankenhaus Rotthausen als Chirurg beschäftigt. Zusammen mit der Fürsorgerin Ruth Theobald und einigen Ordensschwestern rettete er 17 ungarische Jüdinnen, die seit Sommer 1944 zusammen mit 2.000 jüdischen Mädchen und Frauen im Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald leben und arbeiten mussten. Unter unmenschlichen Bedingungen wurden sie im Hydrierwerk der Gelsenberg Benzin AG (heute BP) zur Trümmerbeseitigung eingesetzt. Bei einem der vielen Bombenangriffe auf das Werk, das wegen der Produktion von Flugbenzin kriegswichtig war, wurden etwa 150 dieser Frauen getötet; Zwangsarbeiter durften - anders als die eingesetzten Pferde - während der Angriffe nicht in die Bunker. Viele weitere Zwangsarbeiterinnen waren schwerstverletzt und kamen in umliegende Krankenhäuser, wo auch Dr. Bertram sie chirurgisch behandelte. Die halbwegs Gesundeten wurden zum Teil in ein anderes KZ verlegt, zum Teil aber auch noch in Gelsenkirchen erschossen.

Dr. Bertram gelang es mithilfe von Unterstützerinnen und Unterstützern die Mädchen und Frauen bis zur Befreiung im April 1945 in beiden Krankenhäusern vor der Gestapo zu verstecken. 1980 -fünf Jahre nach seinem Tod - wurde ihm und seinen Helferinnen von der Israelischen Gedenkstätte Yad Vashem die Auszeichnung "Gerechter unter den Völkern" zuteil. Er selbst hatte Ehrungen ebenso wie die Verfolgung von Menschen, die ihn denunziert hatten, immer abgelehnt.

Seine Frau, Dr. Margot Bertram, war in sein gefährliches Wirken für "seine ungarischen Kinder" eingeweiht. Sie war von 1940 bis 1980 Vorsitzende des Sozialdienstes Katholischer Frauen in Gelsenkirchen. In ihre Amtszeit in schwierigsten Kriegs- und Nachkriegszeiten fielen der Kauf, Umbau und Betrieb des Gertrudisheimes (Mutter-Kind-Einrichtung) und des Kinder-Hauses in Ückendorf (Heim für 12-14 traumatisierte Kinder als Übergangshilfe). Die Familie Bertram hält bis heute Kontakt zu den noch Lebenden der 17 Geretteten. Die Tochter, Frau Kathol-Bertram, erinnert sich noch gut, dass sie als Kind für Botengänge in Sachen SKF eingesetzt wurde.  

Möglich wurde der Gedenkort durch die St. Augustinus-Heime GmbH, die St. Augustinus-Stiftung, die Gemeinde St. Maria Himmelfahrt mit Pfarrer Georg Späh und den Steinmetz Künne.