URL: www.caritas-gelsenkirchen.de/pressemitteilungen/gefluechtete-in-arbeit-bringen/1064130/
Stand: 25.07.2016

Pressemitteilung

Sozialpolitik

Geflüchtete in Arbeit bringen

Für Sabine Depew, Direktorin der Caritas im Bistum Essen, sprechen die Zahlen des aktuellen Arbeitslosenreports der Freien Wohlfahrtspflege in NRW eine deutliche Sprache: "Es muss strukturiert und engagiert in die Qualifizierung von jüngeren Arbeitslosen investiert werden. Sprachförderung, die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen und Investitionen in berufliche Qualifizierung und Berufsausbildung sind wichtige Beiträge für eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration". Bisher, so zeigt der Arbeitslosenreport NRW, werden für Geflüchtete hauptsächlich eher kurze Maßnahmen angeboten. Auch sind im März 2017 69,83 Prozent aller arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen für Geflüchtete eher kurze Kurse der Aktivierung und beruflichen Eingliederung. "Diese leisten zu Beginn der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter lediglich einen Beitrag zur ersten Orientierung am deutschen Arbeitsmarkt", so Depew.

Individuelle, bedarfsgerechte Begleitung

Integration bedeute aber weit mehr. "Um das bei doch vielen bestehende Defizit bei Qualifikation und beruflichen Vorkenntnissen zu beheben, sind erheblich mehr Anstrengungen notwendig." Leider, so Depew, habe die Öffentlichkeit offenbar das Interesse weitestgehend verloren. Die Zahl der ankommenden Menschen mit Fluchterfahrung sei überschaubar und organisatorisch zu bewältigen. "Dabei fängt die Arbeit jetzt erst wirklich an. Die Bewältigung der Traumata und die Integration in die Gesellschaft sind langwierige Prozesse, die für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt von existentieller Bedeutung sind. Das kostet Zeit, Geld und braucht Profis wie Caritas und andere, die ihren Job verstehen." Die Direktorin der Ruhr-Caritas fordert individuelle, bedarfsgerechte und kontinuierliche Begleitung von Geflüchteten und längerfristige, an pädagogischen Konzepten ausgerichtete Coaching-Angebote. Für eine dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt müssen Eingliederungsprozesse längerfristig geplant und begleitet werden. "Unsere Jobcenter brauchen dafür zusätzliche Finanzmittel aus Berlin, mit denen auch mehrjährige Fort- und Weiterbildungen für die Menschen finanziert werden können."

Geflüchtete auch in der Arbeitsmarktstatistik relevant

Hintergrund: Nach der starken Fluchtmigration im Jahr 2015 und der Beschleunigung der Asylverfahren werden geflüchtete Menschen inzwischen auch in der Arbeitsmarktstatistik sichtbar. Die Arbeitslosigkeit von Personen aus den zuzugsstärksten Asylherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien ist NRW-weit von 22.602 Personen im Juni 2015 auf 58.283 Personen im Juni 2017 gestiegen. Die gleiche Tendenz ist auch im Ruhrgebiet festzustellen: Lag die Zahl der Arbeitslosen aus den zuzugsstärksten Asylherkunftsländern hier im Juni 2015 noch bei 4722 Personen, stieg sie im Juni 2017 auf 13.078 Personen an. Doch der von der Wohlfahrtspflege in NRW herausgegebene Arbeitslosenreport NRW zeigt auch wirtschaftliche Chancen der Migration auf. So sei auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den Hauptherkunftsländern im Ruhrgebiet im Zeitraum von September 2015 bis September 2016 um 46,48 Prozent auf insgesamt 3098 Personen gestiegen.

Hohes Bildungspotential

Geflüchtete zu integrieren, bedeute verstärkte schulische und berufliche Nachqualifikation, die für eine erfolgreiche und nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt Voraussetzung ist. Das gilt auch für das Ruhrgebiet. Zwar bringen 24,13 Prozent einen überdurchschnittlich hohen schulischen Bildungslevel durch Abitur oder Hochschulreife mit. Aber mit 41,7 Prozent liegt der Anteil Geflüchteter ohne Hauptschulabschluss ebenfalls vergleichsweise hoch. Positiv sei, dass von einem hohen Bildungspotential auszugehen ist. Denn in NRW sind 62 Prozent der Geflüchteten jünger als 35 Jahre.

Flüchtlinge überwiegend in Jobs auf Helferniveau

Der Arbeitslosenreport NRW gibt auch erste Anhaltspunkte darüber, für welche Berufe die Mitarbeiter der Jobcenter und Arbeitsagenturen die erwerbsfähig Geflüchteten aktuell als sofort vermittelbar einstufen. Dabei wird grob unterschieden nach Helfer, Fachkraft/Spezialist und Experte. Demnach kommen im Moment in NRW für mehr als jeden zweiten Geflüchteten (65 Prozent) lediglich Jobs auf Helferniveau infrage. Nur 13 Prozent können Fachkraft- oder Spezialisten-Niveau nachweisen. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich im Ruhrgebiet. Hier kommen 68,51 Prozent als Helfer und nur 11,13 Prozent als Fachkraft oder Spezialist in Frage. Zu beachten in diesem Zusammenhang: Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist Personen ohne berufspraktische Anerkennung nicht der Kategorie Fachkraft zu, sondern führt diese als "Helfer", selbst wenn er oder sie im Herkunftsland Arzt oder Apothekerin war.

Die Caritas im Ruhrbistum hat die Daten des Arbeitslosenreportes für die Städte Bochum, Duisburg, Mülheim, Oberhausen, Bottrop, Gelsenkirchen, Essen und den Ennepe-Ruhr-Kreis ausgewertet.

Hintergrund: Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den "Arbeitslosenreport NRW". Darin enthalten sind aktuelle Zahlen und Analysen; Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Jede Ausgabe widmet sich einem Schwerpunktthema. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und SBG II-Hilfequoten, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Ziel der regelmäßigen Veröffentlichung ist es, den öffentlichen Fokus auf das Thema Arbeitslosigkeit als wesentliche Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung zu lenken, die offizielle Arbeitsmarkt- Berichterstattung kritisch zu hinterfragen und dabei insbesondere die Situation in NRW zu beleuchten.