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Stand: 12.06.2019

Pressemitteilung

Teilnehmende „brennen“ für den Klimaschutz

"Sie kommen rein als Stromsparberater und sehen dabei das ganze Leben", fasst Volkswirtin Welskop-Deffaa die Erfahrungen der Menschen, die zurzeit beim Stromspar-Check Gelsenkirchen arbeiten, zusammen. Gute zwei Stunden hat sie sich mit ihnen unterhalten und dabei allerlei Anekdoten aus dem Alltag gehört. Viele Kundinnen seien sehr dankbar über die konkreten Einsparungen durch den Check. Eine Beraterin erzählte von einem Haushalt, der nach der Jahresabrechnung 300 Euro von seinem Stromanbieter zurückbekommen habe; statt 90 Euro seien nun nur noch runde 50 Euro Abschlag monatlich fällig.

40 Euro mehr im Monat. Das ist eine große Summe für Menschen, die SGB-II-Leistungen erhalten oder generell nur über ein geringes Einkommen verfügen und somit teilnahmeberechtigt für den kostenlosen Stromspar-Check der Caritas sind. 40 Euro, ein gutes Argument, weil auch Hartz IV-Empfänger das Geld für ihren Stromverbrauch selbst berappen müssen; im Gegensatz zu den Heizkosten, die vom Amt übernommen werden.

Trotzdem stellt die Akquise neuer Haushalte die Stromsparberater oftmals vor große Hürden. Die Menschen seien misstrauisch. "Ist das Angebot wirklich kostenlos? Muss das sein, dass ihr in meine Wohnung kommt? Was habt ihr davon?". Fragen, die die Stromsparberater oftmals beantworten müssen, bevor die teilnehmenden Haushalte sie in ihre Wohnungen lassen. "Vertrauen aufbauen. Das ist ganz wichtig", erklärt Judith Przygodda, Caritasmitarbeiterin und Projektleiterin des Stromspar-Checks. "Jemanden in die eigene Wohnung zu lassen, ist ein großer Schritt. Vor allem dann, wenn man nicht so viel Geld hat, um sich teure oder überhaupt alle Möbel leisten zu können", wissen die Stromsparberaterinnen und -berater. Sie helfen, Scham oder Angst zu überwinden. "Wir kennen das ja, wie das ist, mit wenig Geld auszukommen", sagt einer. Denn sie selbst sind ehemals langzeitarbeitslose Menschen. Die Arbeit im Stromspar-Check soll ihnen helfen, beruflich wieder Fuß zu fassen. Neun Menschen haben, seit der Stromspar-Check in Gelsenkirchen angeboten wird, durch das Projekt den Weg in eine Vollzeitbeschäftigung gefunden. Da die Beraterinnen und Berater Teilnehmende in einer Arbeitsmarktmaßnahme sind, können sie nur eine begrenzte Zeit in dem Projekt arbeiten.

"Im Moment bemühen wir uns nach Kräften, die Verträge mit unseren Teilnehmenden zu verlängern", verrät Judith Przygodda. Hoffnungen, die die Einführung des sozialen Arbeitsmarkts bei den Menschen geweckt hat, werden im Stromspar-Check leider nicht erfüllt. Eigentlich hätten Menschen über den neuen Paragrafen 16 i des Zweiten Sozialgesetzbuches eine langfristigere Perspektive als bei den bisherigen Arbeitsmarktmaßnahmen: Über 5 Jahre wird das Gehalt zunächst ganz und im Laufe der Jahre prozentual immer weniger übernommen. Für das Lohndelta - also den Betrag des Lohns, der nicht durch den sozialen Arbeitsmarkt gefördert werden kann - muss der Arbeitgeber aufkommen. In der freien Wirtschaft ein nicht ganz so großes Problem; für einen Wohlfahrtsverband mit beschränkten finanziellen Mitteln und den StromsparCheck schon eher: Der Check soll weiterhin kostenfrei bleiben. "Auch, wenn unsere Teilnehmenden für das Projekt "brennen", wenn wir keine zusätzliche Förderung finden, müssten zehn Beraterinnen und Berater Ende des Jahres gehen", prognostiziert Caritasmitarbeiterin Przygodda.

Eva Welskop-Defaa nimmt das Problem mit nach Berlin. Sie versucht nachhaltige Lösungen zu finden: "Ich werde das in den Gespräche mit der Politik thematisieren. Vielleicht", so sagt sie, "können wir über eine zusätzliche Klimakomponente nachdenken." Dass das Projekt der Umwelt gut tut, ist unbestritten: Seit 2008 wurden nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt deutschlandweit über 320.000 Haushalte beraten, mehr als 300 Millionen Euro Energiekosten und über eine halbe Million Tonnen an CO2 eingespart. Allein in Gelsenkirchen wurden rund 9.000 Haushalte besucht und damit über 20.000 Tonnen CO2 eingespart.